Bürgerengagement in Hamburg, unterstützt durch unsere Fachbehörden, besitzt einen hohen Stellenwert

Hier ein Beispiel, wie herausragend das Ehrenamt in einem Landkreis betrachtet wird:

Neujahrsansprache von Landrat Manfred Müller anläßlich des Neujahrsempfangs 2010 mit Ehrung der Ehrenamtlichen
Freitag, 22. Januar um 18 Uhr im Burgsaal der Wewelsburg

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns. Ein Jahr, das geprägt war durch die Krise. Was hat uns 2009 nicht alles gebracht: Rettungsschirme für Kreditinstitute, Abwrackprämie, giftige Wertpapiere, Konjunkturpakete, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Rettungspakete für ausgewählte große Unternehmen wurden geschnürt…und wieder aufgeschnürt!

Die Bevölkerung, die sich nicht hat anstecken lassen vom Krisengerede, hat dazu beigetragen hat, dass es nicht ganz so schlimm gekommen ist, wie gedacht. Sie bleiben irgendwie gelassen in der Krise. Übertreibungen gibt es ja vielfach. Sogar beim Wetterbericht: Daisy brachte den Winter und nicht den Weltuntergang. Ist die Lust an den Superlativen, die Lust an der Sorge den Menschen immanent? Immerhin: Das Bruttoinlandsprodukt, nominal 1,416 Billionen Euro, ist um 5 % zurück gegangen – die schärfste Krise seit 1929 – aber wir hatten vorher ja einen Aufschwung, den viele in dieser Form auch nicht für möglich gehalten haben.

War es die erste Komplexitätskrise der postmodernen Gesellschaft, wie das Handelsblatt schreibt? Sicher auch. Die Globalisierung hat dazu beigetragen, dass die Krise weltweit spürbar war. Es war vor allem eine Bankenkrise. Banken waren betroffen, wenn sie im internatonalen Geschäft mit sog. strukturierten Papieren waren – und zwar unabhängig davon, ob nun Profis am Ruder bzw. in den Kontrollgremien saßen oder Menschen aus der Kommunalpolitik oder dem örtlichen Handel oder Handwerk wie bei Volksbanken und Sparkassen, die im übrigen besonders gut durch die Krise gekommen sind und in der Regel nur mittelbar betroffen waren.

Vielleicht ist das ja eine besondere Lehre: dass man nur das bewirtschaften oder an Risiken eingehen sollte, was man überblicken oder bewältigen kann. Könnte eine westfälische Tugend sein …

Dem gegenüber kommt das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns oder Handwerkers wieder zu neuen, alten Ehren. In Hamburg gibt es die „Versammlung des ehrbaren Kaufmanns“ tatsächlich. In der modernen Fassung ihres Leitbildes, ist dieser Kaufmann weltoffen und freiheitlich orientiert. Er verhandelt fair, sein Wort gilt – ein Prinzip, das in Zeiten des Internethandels nicht zu unterschätzen ist. Er lässt sich von seinen Werten leiten, übernimmt Verantwortung und ist Vorbild für Mitarbeiter, Geschäftspartner und Kunden. Er verteidigt die Gesellschaftsordnung, hält Umweltstandards ein, achtet auf die Einhaltung von Gesetzen und tritt der Korruption entgegen.

Wenn dagegen Menschen bereit sind, alles, was nicht verboten ist, bis zum Letzten auszureizen, bleibt nicht nur das Gemeinwohl auf der Strecke, sondern auch der Geschäftserfolg. Zumindest mittel- und langfristig. In der Enzyklika „Caritas in Veritate“ von Papst Benedikt XVI. heißt es: „So hat jede wirtschaftliche Entscheidung eine moralischen Konsequenz.“ Und die EKD-Vorsitzende und Bischöfin Margot Käßmann hat Recht, wenn sie davon spricht, dass es eine „Ethik des Genug“ geben muss.

Deswegen, liebe Mittelständler, haben wir Sie eingeladen. Weil der Mittelstand das „Maß halten“ im Sinne von Ludwig Erhard gewohnt ist, immer gelebt hat und auf Dauer damit erfolgreich war. Damit hat auch unsere Region, unser Kreis Erfolg gehabt. Und genau deswegen haben wir die Bedeutung des Mittelstandes für die Region zum Thema dieses Neujahrsempfangs gemacht.

Der Mittelstand stellt 99,7% Prozent aller Unternehmer in Deutschland, er tätigt 40,8% aller steuerpflichtigen Umsätze, er bietet 70,2% der Arbeitsplätze an, demnach wären das im Kreis Paderborn über 70.000 und der Mittelstand bildet 82% aller Lehrlinge aus.

Der Mittelstand in Paderborn, das sind neben 14.803 Kleingewerbetreibenden und GbRs 2.151 Unternehmen mit bis zu 199 Beschäftigten und 27 Unternehmen mit bis zu 499 Beschäftigten. Darüber hinaus gibt es im Kreis Paderborn 3.178 Handwerksbetriebe, oft mit 6 – 7 Mitarbeitern, einzelne Firmen bieten aber auch wesentlich mehr Menschen einen Arbeitsplatz.

„In der Krise übertrumpfen Familienunternehmen die Schwergewichte,“ so schrieb die Welt am 24.11.2009. Familienunternehmen sind Jobmotor und manche wachsen dynamisch in rezessiven Zeiten. Unternehmerische Werte und eine auf Langfristigkeit ausgelegte Strategie lassen die von Familien kontrollierten Betriebe die Wirtschaftskrise besser überstehen.

Ein Mittelständler hat einen Bezug zur Region, identifiziert sich mit Land und Leuten, engagiert sich häufig ehrenamtlich, denn wie Henry Ford schon sagte: „ein Geschäft, das nur Geld einbringt, ist ein schlechtes Geschäft.“

Dem Mittelstand ist es aufgrund der engen sozialen und emotionalen Bindung vor Ort eine Selbstverständlichkeit über das Wirtschaftliche hinausgehendes Engagement zu zeigen. Wer Sport, Kultur oder soziale Projekte unterstützt, tut etwas für die Lebensqualität in unserer Region. Ihr Engagement für die örtlichen Vereine macht deren Arbeit oft erst möglich. Ihr Beitrag zu Benefizaktionen führt zu einem großen finanziellen Erfolg der Bemühungen aller Beteiligten. Ihre Unterstützung musischer und musikalischer Veranstaltungen bereichert das kulturelle Leben der Region. Und Sie tun etwas für die Sicherheit aller. Sie ermöglichen es unseren ehrenamtlichen Feuerwehrleuten unabhängig vom Arbeitsanfall in der Firma in der Notlage sofort ihrer besonderen Aufgabe, zu helfen und zu retten, nachzukommen. Vielen Dank dafür!

Im positiven Sinne zeichnet das den Eigentümer eines mittelständischen Betriebes aus: Er hat den Überblick. Er kennt seine Mitarbeiter, weiß um deren Stärken und Schwächen, er schätzt den Einsatz des Kollegen, weiß aber auch über die persönliche Situation des Mitarbeiters Bescheid und achtet und akzeptiert dessen Bindung an die Region, an die Gesellschaft und an die Familie. Er lebt das „Wir“. Er weiß, dass er mit Mitarbeitern, die sich verantwortlich fühlen und mit seinem Unternehmen identifizieren, auch schwierige Zeiten meistern kann. Er bringt ihnen deshalb Wertschätzung entgegen, statt sie zum Kostenfaktor zu degradieren. Er feiert es nicht als Bilanzerfolg, wenn er Mitarbeiter entlassen muss, damit die Personalkosten sinken, sondern es tut ihm weh.

Genauso kennt der Mittelständler auch seine Kunden. Er weiß, was den Kunden wichtig ist. Er sichert Qualität und Verlässlichkeit zu. In diesem Sinne sind Sie Unternehmer, die Verantwortung für ihre Mannschaft übernehmen. Unternehmer, die mit strategischen Überlegungen versuchen, Entwicklungen voranzutreiben und auf zukünftige Geschehnisse vorbereitet zu sein. Durch Ihre Nähe zur Basis und zu den Geschehnissen haben Sie ein gutes Bauchgefühl. Das ist aktivierte Erfahrung, die so manche unternehmerische Entscheidung beeinflusst und den Mittelständler erfolgreich gemacht hat.

Wir von der politischen Seite arbeiten hart an der weiteren Verbesserung der Rahmenbedingungen für ein gedeihendes Wirtschaftsleben, insbesondere die Infrastruktur. Schlaglichter sind der Flughafen, der B 1-Ausbau, Ortsumgehungen, Anbindung im Schienenverkehr.

Wir arbeiten daran, in einer durch Gesetze und Verordnungen von EU, Bund und Land eigentlich überregulierten Welt Ihnen möglichst unbürokratisch bei Genehmigungsverfahren zur Seite zu stehen. Die Kreisverwaltung ist als mittelstandsorientierte Verwaltung zertifiziert. Sie ist vor einiger Zeit unter den besten 20 Verwaltungen beim Artus Preis eingeordnet worden. Ich habe ganz bewusst den bundesweiten Vorsitz der Gütegemeinschaft mittelstandsorienierte Kommunalverwaltung e.V. übernommen.

Unser Ziel ist es, Ihnen Fachkräfte für die Zukunft zu sichern! Die Ausbildung ist wichtig, auch im eigenen Interesse. Im Jahr 2009 haben 2.469 junge Menschen mit Hauptschulabschluss oder Fachoberschulreife das Schuljahr beendet, um dann zur weiterführenden Schule oder in eine Ausbildung zu gehen. Im Jahr 2019 werden es voraussichtlich noch 2.101 zukünftige Nachwuchskräfte sein, die auf den Ausbildungsmarkt drängen. Der Kreishandwerksmeister weist zu Recht bereits jetzt immer wieder darauf hin, dass in wenigen Jahren ein deutlich schärferer Wettbewerb um die Nachwuchs entstehen wird.

Trotz dieser rückläufigen Tendenz gilt für dieses Jahr ebenso wie in den Vorjahren: Wir brauchen Ausbildungsplätze. Das ist wichtig für den persönlichen Lebensweg ebenso wie für die Personalentwicklung in den Betrieben. Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft, wie sie unter anderem die Fa. Driller & Massier zusammen mit der Hauptschule Egge anbietet, ermöglichen ein gegenseitiges Kennen lernen. Auch die Textilhäuser Klingenthal kooperieren in dieser Form mit der Hauptschule Salzkotten, ebenso die Heggemann AG mit dem Mauritius-Gymnasium Büren und die Pietec GmbH mit der Realschule Fürstenberg

Ebenso wichtig sind auch Vernetzungen zwischen der Wirtschaft und den anderen Bildungseinrichtungen. Deswegen engagieren wir uns in unserem Bildungsbüro: für mehr Technik- und Mathematikorientierung sowie Qualitätsverbesserungen in Schulen.

Eine wichtige Bedingung für den Erfolg der regionalen Wirtschaft ist die Internationalisierung, die Globalisierung, von der auch der Mittelstand stark betroffen ist und profitiert. Denn auch der Mittelstand ist dem Wettbewerb aus oder im Ausland ausgesetzt und die Exportorientierung des Mittelstandes nimmt zu. Vor diesem Hintergrund ist die interkulturelle Kompetenz ein wichtiges Erfolgskriterium in Zukunft. In der Ausbildung der Diplom-Kaufleute spielt das eine besondere Rolle. Wie will man mit ausländischen Geschäftspartnern Geschäfte machen, wenn man deren Sprache und Kultur nicht versteht oder sie zu respektieren weiß?

Vor diesem Hintergrund ist die Integrationspolitik zu sehen, die natürlich auch eine regionale Komponente hat. Die Migranten, die zu uns kamen in den letzten Jahrzehnten, sind ein erhebliches Arbeitskräftepotenzial. Viele haben sich zu Fachkräften entwickelt. Für andere ist noch Qualifizierung notwendig.

Wir sind eine internationale Region, unzählige Städtepartnerschaften zeugen davon und eben auch unsere international verflochtene Wirtschaft. Es ist gut, dass 10 % der Studenten der Paderborner Universität ausländischer Herkunft sind, weil sie unsere Region weiter mit den Märkten in der globalen Welt verbinden und verflechten. Aber wir sind auch gefragt, das Miteinander der Kulturen vor Ort zu leben und zu organisieren. Dazu gehört der klare Integrationswille der Zugewanderten, die Bereitschaft Deutsch zu lernen und die uneingeschränkte Akzeptanz der Werte unseres Grundgesetzes. Andererseits: Integration ist keine Einbahnstraße! Erst recht, wenn wir wissen, dass in internationalen Verflechtungen und Kontakten auch große, u.a. wirtschaftliche Chancen liegen. Von der Friedenswirkung ganz zu schweigen. Ein Teil der angesiedelten Betriebe im Kreis hat ja auch seine betrieblichen Wurzeln im Ausland. Deswegen laufen auf Kreisebene starke Integrationsbemühungen u.a. in Form des organisierten KOMM-IN Prozesses. Und natürlich gehört auch dazu, dass wir die unterschiedliche kulturelle und religiöse Herkunft der Menschen respektieren.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang etwas zur Diskussion über den Minarettbau in Bad Lippspringe sagen. Dafür liegt uns eine Bauvoranfrage vor. Zunächst einmal ist natürlich der Stadtrat Bad Lippspringe am Zug.

Aber grundsätzlich ist ein offener Umgang der Bauherren mit diesem Bauvorhaben ausgesprochen hilfreich, auch notwendig, ja es ist sogar zu verlangen. Aber das reicht natürlich nicht. Notwendig ist der unbedingte Wille der muslimischen Gemeinden sich aktiv und nachhaltig auch in die örtliche Gesellschaft einzubringen und zu integrieren. Aber es ist auch klar und das sage ich als zuständige Baubehörde: Immer dann, wenn baurechtliche Voraussetzungen erfüllt sind, hat der jeweilige Antragsteller ein Recht auf eine Baugenehmigung. Eine Differenzierung nach Religionen lässt das Baurecht und der im Grundgesetz verankerte Gleichheitsgrundsatz sowie die Religionsfreiheit nicht zu. Das bedeutet nicht, dass andere Staaten das in Bezug auf christliche Kirchen anders geregelt haben. Und das ist diesen Staaten durchaus vorzuwerfen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Am heutigen Abend stehen Ihnen viele Bürgermeister, Kreistagsabgeordnete und leitende Beamte unserer Kreisverwaltung als Gesprächspartner zur Verfügung! Nutzen Sie die Möglichkeit des Gedankenaustauschs, der Kritik und der Information. Das ist ein wichtiges Ziel dieses Abends!

Der durch seinen erfolgreichen Schützling Boris Becker bekannt gewordene Manager Ion Tiriac hat einmal festgestellt: „Die menschliche Beziehung zwischen zwei Geschäftspartnern bietet mehr Gewähr für eine erfolgreiche Geschäftsverbindung als 150 schriftliche Vertragsseiten.“ Auf dieser Basis waren Sie bislang für Ihr Unternehmen für Ihre Mitarbeiter, aber auch für unsere Region erfolgreich. Dafür danken wir Ihnen und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Gespräche am heutigen Abend!

Laudatien für die Ehrengäste: Ehrung der Ehrenamtlichen

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir kommen nun zu einem Klassiker des Neujahrsempfangs. Ich habe auch in diesem Jahr die Ehre, drei stille Helden des Alltags – stellvertretend für viele weitere – auszuzeichnen. Warum tun wir das immer wieder? Weil wir „Danke“ sagen möchten. Denn sie leisten Großartiges im Verborgenen, ohne Aufhebens darüber zu machen. Diese Menschen haben es schlicht verdient, dass wir Ihnen eine Bühne bereiten. Ich möchte jedoch noch einen weiteren Gedanken hinzufügen dürfen. Bürgerengagement ist immer auch ein bürgerliches Verständnis von Solidarität. Eine Solidarität der Starken mit den Schwachen. Bürgerengagement ist immer auch Einsatz für ein Ziel, das einem selbst wichtig ist und das man mit der Gemeinschaft teilt. Bürgerengagement ist deshalb immer auch persönliches Wachstum: Denn ehrenamtliches Engagement bringt außer Ehre auch Vieles, was einen größer macht: Dazu zählen beispielsweise soziale Kompetenz, Erfahrungen, neue Bekanntschaften, die oft zu echten Freundschaften werden und viele persönliche Begegnungen und Momente, die das Leben reicher machen. Deshalb ist die Auszeichnung heute immer auch Werbung für das Ehrenamt. Wir möchten Lust aufs Nacheifern machen. Wir möchten, dass unsere stillen Helden des Alltags nicht nur bewunderte Vorbilder bleiben, sondern viel kopierte Vormacher.

  • Christa Altmiks aus Paderborn-Wewer

Ich darf zunächst eine Dame begrüßen, die statt High Heels lieber Sportschuhe trägt. Doch auch wenn ihr diese Schuhe ein hohes Tempo erlaubten, ist sie dem Leben niemals davon gerannt. Sie hat vielmehr eine Laufgeschwindigkeit gewählt, die ihr die Möglichkeit bot, hinzusehen und inne zu halten, statt alles an sich vorbeiziehen zu lassen. Sie hat sich dem Leben und seinen Schattenseiten gestellt und dabei ihren Weg gefunden. „Laufend Gutes tun“ lautet seine Beschilderung. Und das nicht nur im übertragenen Sinne. Christa Altmiks gehört dem Lauftreff Elsen-Wewer seit seiner Gründung in 1976 an. Als aktive Wettkampfläuferin feierte sie viele Erfolge und war über viele Jahre in der NRW-Bestenliste über 10 km, im Halbmarathon und Marathon an erster Stelle zu finden. Läufer, die aufgeben wollten, unterstützte sie durch individuelles Training. Christa Altmiks ist seitdem eine Marathonläuferin der Nächstenliebe. Durchhalten, sich selbst immer wieder motivieren und Ziele setzen, das alles brachte ihr der Sport. Das alles zeichnet sie aus. In 1994 organisierte sie mit Johannes Spenner und Hubert Wortmann erstmalig den „Fun-Lauf“ durch den Wewerschen Wald. Der Lauf wurde zu einer festen Einrichtung, statt Startgelder wurde um Spenden gebeten. Über 40.000 Euro kamen im Laufe der 16 Jahre zusammen, die ausschließlich kranken Kindern zugute kamen. Zuletzt floss das Geld an die Bürgerstiftung Paderborn, die im Rahmen der Offenen Ganztagsschulen dafür sorgt, dass sozial schwache Kinder ein Mittagessen bekommen. Christa Altmiks unterstützt zudem die Weweraner Kinderkrebshilfe als Kassiererin und Helferin im Vorstand. Doch sie hat auch noch ein weiteres Talent, das nicht nur anderen hilft sondern auch Freude bereitet: In der Karnevals-Veranstaltung „KC 11“ zugunsten der Kinderkrebshilfe tritt sie regelmäßig als „Knüttelkamps Tine“ auf und trägt ihre selbst geschriebenen Büttenreden in plattdeutsch vor. Und wieder die Marathonläuferin: Christa Altmiks engagiert sich darüber hinaus seit mehr als 30 Jahren für Schwerkranke im Ort, spricht ihnen Lebensmut zu und versucht, verzweifelte Menschen durch Gespräche und ihre positive Ausstrahlung aufzubauen. In der Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist bereitet sie die Totengebete für die Verstorbenen vor und betet sie mit den Hinterbliebenen.

„Sie hat den Dank unserer Gesellschaft und die Ehrung durch den Kreis Paderborn verdient“, heißt es in der Vorschlagsbegründung. Liebe Frau Altmiks, das sehen wir ganz genau so. Und ich möchte Sie jetzt so nennen dürfen, wie sie mir beschrieben wurden: Ich bitte nun die „treue Seele des Lauftreffs und gute Fee des Ortes“ zu mir nach vorn.

  • Hubert Austerschmidt aus Delbrück-Ostenland

Wenn wir die Menschen im Kreis Paderborn dazu aufrufen, uns die stillen Helden des Alltags zu benennen und zu beschreiben, bieten wir einen Vordruck an. „Da der Platz auf dem Vordruck nicht ausreicht, möchte ich die ehrenamtliche Arbeit der von mir vorgeschlagenen Person auf einem zusätzlichen Blatt darstellen“. So beginnen die Ausführungen zu Hubert Austerschmidt, der auch eine Art Marathon geleistet hat und ein Kämpfer für andere ist. Seit mehr als 40 Jahren ist er dem Fußballsport beim Delbrücker SC als Ehrenamtler in den verschiedensten Funktionen ohne Pause treu geblieben. Derzeit ist er als Kassenwart und Schatzmeister des Gesamtvereins tätig, Geschäftsführer der Jugendabteilung und trainiert in dieser Saison das U15-Mädchenteam des DSC. Vor ca. acht Jahren hat er die Mädchenfußballabteilung „gegen viele Widerstände ins Leben gerufen“, heißt es weiter. Man neigt dazu, an dieser Stelle ein wenig zu schmunzeln. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt, wie sehr Frauen um des Fußballs willen gelitten und gekämpft haben. Deshalb finde ich es besonders bemerkenswert, wenn ein Mann sich für Frauenfußball einsetzt. Denn die Geschichte des Frauenfußballs ist eine Geschichte voller Widerstände gegen männliche Vorurteile und Bevormundungen. Frauenfußball wurden verlacht, verboten und dann gefeiert. Letztlich haben die Frauen überzeugt und gesiegt, wie so oft im Leben.

Da eines seiner fünf Kinder schwerstbehindert ist, gründete er in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe im vergangenen Jahr eine integrative Fußballgruppe, die er zusammen mit seinen älteren Töchtern trainiert. Talentierte junge Menschen fährt er persönlich zu den Kreisauswahltrainingsstätten. Besonders am Herzen liegt ihm die Integration der Kinder mit Migrationshintergrund, da „er der Meinung ist, dass der Fußballsport die schönste Art ist, sich zu messen und dem Gedanken einer friedlichen, kinderfreundlichen Gesellschaft am Besten Genüge tut“, heißt es in der Vorschlagsbegründung. Bereits im letzten Jahr, in diesem Jahr wieder, fährt er mit einer großen Jugendgruppe des DSC nach Tirol, um dort mit den Jugendlichen zu trainieren. Für Kinder, die aus wirtschaftlichen Gründen die Teilnahme an ähnlichen Fahrten oder Lagern absagen mussten, hat er immer wieder einen Weg gefunden, damit sie doch noch dabei sein konnten. Menschen wie Herr Austerschmidt bilden das Rückgrat unserer Vereine und leisten dabei unendlich viel für die Gesellschaft. Denn Fußball kann eine Schule fürs Leben sein. Fußball bewegt die Menschen in einem Spiel, in dem jeder seine Chance nutzt, aber auch der Gegner respektiert wird. Gefragt ist Teamgeist, Alleingänge führen ins Abseits. Ganz tief verankert ist zudem die Überzeugung, dass der Sieg dem Besten gehört. Dieses Fairplay ist eine Haltung, die wir uns auch in allen anderen zwischenmenschlichen, gesellschaftlichen und politischen Bereichen erarbeiten müssen. Auf dieses Miteinander kommt es an. Es geht um den Zusammenhalt, im Fußball wie in der Gesellschaft. Dafür steht auch das ehrenamtliche Engagement von Herrn Austerschmidt.

Lieber Herr Austerschmidt, Ihr Vereinskollege stellt sich die Frage, ob Ihr Tag wohl mehr als 24 Stunden hat. Die Antwort kennen nur Sie. Aber eine Antwort auf die Frage, ob es möglich ist, „diesen selbstlosen Menschen für einen Tag in den Mittelpunkt zu stellen“, können und wollen wir mit einem klaren „Ja“ beantworten. Ich darf Sie jetzt bitten, nach vorn zu kommen.

  • Irmgard Schütte

Unsere dritte stille Heldin des Alltags wurde von einer örtlichen Tageszeitung als „Kreativer Kopf der Landfrauen im Kreis“ bezeichnet. Die Parallele zur Biographie der Ihnen soeben vorgestellten Ehrenamtlichen ist wiederum die Nachhaltigkeit des Engagements. Wir ehren heute eine Marathonkämpferin für den ländlichen Raum. Mit dem Kompetenzen einer Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft, als Mitunternehmerin des landwirtschaftlichen Familienbetriebes, Ehefrau und den Aufgaben einer Mutter von zwei Kindern übernahm Irmgard Schütte in 1990 das Amt der stellvertretenden Ortsvorsitzenden des Landfrauenverbandes Haaren. 1994 wurde sie zur Vorsitzenden des Landfrauenverbandes Altkreis Büren gewählt. Gleich im ersten Jahr stellte sie sich mit großem Erfolg der Herausforderung einer Landesgartenschau in Schloß Neuhaus. Mit einem Informations-, Kreativ- und Bewirtungszelt zeigten die Landfrauen unter ihrer Führung erfolgreich Präsenz. Mit der Wahl zur Vorsitzenden des Altkreises Büren begann Irmgard Schütte damit, sich in die Arbeit berufsständischer Gremien einzubringen. So wurde sie Vorstandsmitglied des Betriebshilfsdienstes Büren, des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes und Mitglied der Bewertungskommission „Unser Dorf soll schöner werden“ für den Kreis Paderborn. Im Zuge der Zusammenführung der Kreislandfrauenverbände Büren und Paderborn in 2002 wählte sie die Kreisdelegiertenversammlung der Landfrauen zur Vorsitzenden des Kreislandfrauenverbandes Paderborn-Büren. Irmgard Schütte ist heute auch Kreisstellenmitglied der Landwirtschaftskammer und engagiert sich als Mitglied in der Vertreterversammlung der Landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger wie auch des Landwirtschaftlichen Beirates des Kreises Paderborn.

Liebe Frau Schütte, Sie werden am 24. Februar als langjährige Kreisvorsitzende aus diesem Amt ausscheiden. Es wird also höchste Zeit, Ihnen in diesem Rahmen auch offiziell für Ihren Einsatz zu danken. Sie haben sich stets als kompetente Anwältin für die Forderungen, Erwartungen und Wünsche der auf dem Lande lebenden Frauen und Familien verstanden. Ihnen ist es immer wieder gelungen, die Stärken des ländlichen Raumes und den Reiz des Lebens in ländlicher Umgebung hervor zu heben, ohne je altbacken zu wirken oder gar die Zukunftsfähigkeit und notwendige Veränderungen der Dörfer aus dem Blick zu verlieren. Um es mit Goethe zu formulieren, der ja auch einen Gastauftritt auf Ihrer Internetseite hat:

Zwischen dem Alten
zwischen dem Neuen,
hier uns zu freuen,
schenkt uns das Glück.
Und das Vergangene
heißt mit Vertrauen
vorwärts zu schauen,
schauen zurück.

Den Originalbericht finden Sie hier »»

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